Die philosophische Anthropologie befasst sich seit Jahrzehnten mit den Fragen, die wir in diesem Konzertprogramm auf musikalische Art erläutern und stellt fest:
„Wir sind in der ungefähr zehntausendjährigen Geschichte das erste Zeitalter, in dem sich der Mensch völlig und restlos problematisch geworden ist: in dem er nicht mehr weiß, was er ist; zugleich aber auch weiß, dass er es nicht weiß.“ (Max Scheler)
Das „Schicksalslied“ von Johannes Brahms stellt mit dem Hölderlin Text - „Hyperions Schicksalslied“, die Frage: gibt es eine „Ruhestätte“ für uns Menschen? Können oder sollen wir danach streben, wie die „Himmlischen“, schicksalslos und mit ewig blühendem Geist und ewig klarem Auge droben im Licht zu wandeln? Oder ist es uns „leidenden Menschen“ gegeben „wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen, Jahrelang ins Ungewisse hinab“ zu fallen?
Die harte und ernüchternde Antwort geben drei Orchester Etüden aus der „Deutsche Sinfonie“ Opus 50 von Hanns Eisler - ergänzt durch Texten aus der „Bauernkantate“ von Bertolt Brecht:
„Wenn Gott sich nicht um den Regen kümmert,
um was kümmert er sich dann?
...
Gibt es keine Gerechtigkeit, die er fürchten muss?
...
Bauer, steh auf!
Nimm deinen Lauf!
Lass es dich nicht verdriessen,
du wirst doch sterben müssen.“
Aus dem Nachklang der tiefen, unfassbaren Dunkelheit des Zweiten Weltkrieges tönen die ersten Paukenschläge des „Te Deum“ Op. 103 von Antonin Dvořák. Das grosse „Ambrosianische Lobeshymne“ erschallt grell und laut. Ist dies die „Antwort“ auf unsere Fragen?